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Ginga Pura Capoeira
in Dresden


Capoeira

über Capoeira

"Capoeira, was'n das?" 

caricatura da capoeiragem bencao


die häufigste und schnellste Erklärung die man dazu hört lautet in etwa: „Capoeira ist eine Mischung aus Kampf und Tanz.“ Nun in der Kürze lässt sich das sicher nicht besser beschreiben. Aber dem was Capoeira wirklich ist wird diese Definition nur sehr wenig gerecht. Zudem weckt es natürlich bei den Fragenden einige bestimmte Erwartung.:
Bei Kampf-Kunst denken wohl die meisten an effektive Techniken zur Selbstverteidigung auf der Straße oder an etwas womit man sich in Wettkämpfen buchstäblich um Punkte und Pokale „prügelt“. Der Begriff Tanz ist bei den meisten wohl noch durch die Tanzschule in der Jugendzeit geprägt und weckt die Vorstellung von festgelegten Schritten und Choreographien, die von einem Paar bestehend aus Mann und Frau mit festgeschriebenen Rollenverteilung abgelaufen werden. Aber wie passt das beides in einem Zusammen?
Ein paar Gemeinsamkeiten gibt es mit den hier beschrieben Vorstellungen durchaus. Die Capoeira-Bewegungen werden, sowie auch bei Zweikampf und beim Paar-Tanz paarweise vollführt.
Die Bewegungen sind denen anderer Kampfsportarten sehr ähnlich. Im Laufe seiner Entwicklung diente Capoeira nicht selten tatsächlich zur Selbstverteidigung. Wie sich Capoeira da mit Vergleich zu anderen Selbstverteidigungs-Systemen schlägt, sei hier erst mal dahingestellt. Aber mit den Fähigkeiten, wie Reaktion, Kondition, Kraft, Beweglichkeit, die das Üben von Capoeira hervorbringt, ist man für Ernstfälle deutlich besser gewappnet als ohne jegliche Kampfkunst-Erfahrung. Allerdings werden beim Capoeira traditionell keine Punkte verteilt und keine Sieger festgestellt, auch ist es hier nicht Ziel den „Konflikt“ so schnell wie möglich durch unschädlich machen des Anderen zu beenden.
So wie bei jedem Tanz ist auch im Capoeira die Musik nicht wegzudenken. Im Capoeira gibt es aber weder Choreographien noch feste Rollenverteilungen. Hier kann Frau auf Mann, Frau auf Frau und Mann auf Mann treffen. Jeder ist in gewissem Sinn gleich. Jeder kann jederzeit versuchen die Führung zu übernehmen muss aber jederzeit auf alles gefasst sein und reagieren können.
Capoeiristas sprechen daher weder vom Kämpfen noch von Tanzen sondern vom Spielen, in wörtlicher Übersetzung des brasilianischen Begriffs „jogar“. Mann versucht dabei ständig sich gegenseitig zu einer Reaktion herauszufordern. Gern wird hierfür auch die Metapher von einem non-verbalen Zwiegespräch gebraucht. Auf eine Frage folgt immer eine Antwort. Doch wäre eine Frage überflüssig, wenn die Antwort schon vorher eindeutig feststünde. Der Mitspieler hat auf jede Frage bzw. Bewegung immer viele mögliche Bewegungen mit denen er antworten kann. Das wird nur durch sein Können und sein Kreativität begrenzt. Die Bewegungsmöglichkeiten reichen von sehr einfachen Bewegungen bis hin zu spektakulärer Akrobatik. Einer Antwort kann man eine neue Frage fließend folgen lassen.
Die Interaktion besteht jedoch nicht nur zwischen den beiden Spielern sondern auch die mit den Menschen, die im Kreis um diese beiden Herumstehen und die Musik erzeugen, in deren Rhythmus sich die Spieler bewegen. Dieser Kreis wird „roda“ genannt, was wörtlich übersetzt Rad bedeutet. Einige in dieser Roda haben Instrumente andere Klatschen nur in die Hände. Einer Singt eine Strophe vor worauf alle anderem ihm mit dem Refrain antworten.

Das war jetzt schon eine sehr umfangreiche Beschreibung. Die könnte bei unbedarften möglicherweise mehr Verwirrung als Aufklärung erzeugen. Die Fotos und Video auf dieser Webseite zeigen Euch wie das oben beschriebene aussehen könnte. Ein richtige Vorstellung bekommt man aber erst wenn man es mal selbst ausprobiert.

Einige werden sich vielleicht fragen: Warum gibt es so etwas? Woher kommt Capoeira? Wie ist es entstanden? Dann lest gerne weiter!


Kleiner Grundkurs Capoeirageschichte

pintura antiga da capoeiragem

Alles, was die Geschichte von Capoeira angeht ist letztlich mehr oder weniger Spekulation und die Überlieferungen widersprechen sich. Aber jeder sollte mit sich ausmachen, wie sehr er sich individuell in diesem Thema fortbilden möchte, im folgenden einige der gängigsten Informationen:

Capoeira wurde von den afrikanischen Sklaven zu Kolonialzeiten in Brasilien entwickelt. Solche schwarzen Sklaven wurden unter anderem auch aus Angola, Congo und Mozambique von den Portugiesen nach Südamerika verschleppt. 
Mit diesen Menschen kam auch ihre Kultur, Religion und Musik über den Ozean. Manchmal konnten sich Gruppen von Sklaven von ihren Herren in den allgemeinen Kriegsunruhen befreien und sammelten sich in sogenannten "Quilombos", wo die Capoeira ihre Ursprünge genommen haben könnte. Der Sport diente der verdeckten Selbstverteidigung, man tarnte die kämpferischen Elemente durch- einen akrobatisch-anmutendem Tanz und Musik.

Brasilien war das letzte Land unserer Erde, dass die Sklaverei abschaffte, nämlich erst 1888! Doch darauf folgte auch gleich das offizielle Verbot für die Capoeira, eine Kultur sollte quasi unterdrückt werden und man nahm den Afrikanern ihr Selbstbewusstsein.
Trotzdem lebte Capoeira im Untergrund  in kleinen Gruppen weiter und bekam bald einen schlechten Ruf, wurde gleichgesetzt mit Begriffen wie "Kriminalität", "Armut" und "Gangs", praktiziert von schwarzen Männern. Immer wieder gerieten Capoeiristas und Polizei in Konflikt.

caricatura da capoeiragem jogo de santa maria

1932 eröffnete "Mestre Bimba"  in Salvador die erste Capoeira Schule und entwickelte "Capoeira-Regional", eine Fortentwicklung des ursprünglichen Tanzes, in Richtung Kampfsport, und er macht sie aggressiver. Die Politik hatte mit dem damaligen Präsidenten "Vargas" umgeschlagen und man begann Capoeira als Nationalsport zu vermarkten. 
1941 eröffnete "Mestre Pastinha"  seine "Capoeira-Angola" Schule. In den letzten Jahren wuchs das Interesse an Capoeira immens an und wurde in der brasilianischen Gesellschaft mehr und mehr akzeptiert.
1974 wurde es als  "Der Nationalsport Brasiliens" offiziell anerkannt.




Die Capoeira heute



Tja, und heute  gibt es unzählige Capoeira-Schulen, Meister, Lehrer und Schüler. Jede mit eigenen Traditionen und Stilen. Allen gemeinsam ist die verlockende Verbindung von Kampf, Tanz, Akrobatik und Musik. Während des Trainings werden bestimmte Kicks, Verteidigungen und Akrobatiken geübt, die eigentliche Capoeira findet sich aber erst in der "Roda" wieder, ein Kreis aus Spielern, den traditionellen Instrumenten und der Energie, die vom Gesang ausgehend in die Mitte, zu den beiden gerade aktiven Spielern führt.

Die Musik



So, für die, die es noch nicht wussten, die Musik ist bei Capoeira von grundlegender Wichtigkeit!
Sie gibt den Spielern in der Roda die nötige Energie, sie bestimmt über Tempo, Art und Vielfältigkeit 
einer Roda. Zumindest sollte es so sein. 
Zu einer richtigen "Bataria" gehören folgende Instrumente:

Das Berimbau
Das Pandeiro
Die Atabaque
Reco Reco
Agogo

Auch Du solltest während Deiner "Capoeira-Karriere" alle dieser Instrumente zumindest versucht haben
zu spielen.

Alle Instrumente sind quasi Rhythmusbegleitung, es geht nicht darum tolle Melodien zu spielen.
Femer ist es nicht Sinn und Zweck sich musikalisch auszutoben, es geht lediglich darum das Spiel der Capoeiristas zu begleiten und bisweilen zu lenken.
Das schwierigste Instrument ist zweifellos das Berimbau, was aber nicht heisst, dass es unbezwingbar wäre... 
Am Anfang scheitert man meistens am Ungleichgewicht wegen des langen Holzstabes.
Es gibt einige feststehende Rhythmen (Toques), die auch alle einen Namen haben, es finden sich allerdings
Variationen je nach Gruppe und Region.


So genug der Information den Rest mußt du selbst herausfinden.

Also, bis zur nächsten Roda.

 


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